Energie im Fluss

Schnell und unabhängig – verflüssigtes Erdgas, kurz LNG, wird ein wichtiger Baustein bei der sicheren Energieversorgung der Stadtwerke Merseburg.


Das vergangene Jahr hat verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Energieversorgung möglichst breit aufzustellen und sich unabhängiger von einzelnen Exportländern zu machen. Liquefied Natural Gas (LNG) kann einen erheblichen Teil des Erdgases ersetzen, das vor dem Krieg in der Ukraine per Pipeline von Russland an Deutschland geliefert wurde.

Strom aus LNG für Merseburg 
Das Wirtschaftsministerium hatte am 23. Juni 2022 die Alarmstufe Gas ausgerufen. Die Preise waren zu diesem Zeitpunkt außergewöhnlich hoch. Bei einem Ausfall der eigenen Gasverstromung hätten die SWM Strom für bis zu 80 ct/kWh zusätzlich einkaufen müssen. Deshalb haben die Stadtwerke bereits im Juli 2022 nach alternativen Lösungen gesucht und mit der Planung von LNG-Anlagen begonnen. Die erste Anlage ging am 16. Januar 2023 im Heizkraftwerk „Am Leunaweg“ in Betrieb.

Das Flüssigerdgas kommt per LNG-Tankwagen aus dem belgischen Zeebrügge. An den Erzeugungsstandorten in Mersenburg angekommen, wird das LNG in sogenannten Trailer-Behältern gelagert. Der Verdampfer wandelt vor Ort das flüssige Gas wieder in seinen ursprünglichen Zustand um. So können die Anlagen 30 bis 40 Prozent des Stroms aus LNG erzeugen. Bei Bedarf lässt sich der Anteil sogar auf bis zu 70 Prozent erhöhen.

Die Stadtwerke Merseburg versorgen rund 20.000 Kunden mit Strom. In ihren fünf Heizkraftwerken produzieren sie etwa die Hälfte des Bedarfes selbst, bisher durch Verbrennung von russischem Erdgas. Die dabei anfallende Abwärme der Anlage liefert rund die Hälfte der thermischen Energie für das Fernwärmenetz von Merseburg.


Liquefied Natural Gas (LNG)
Unter etwa –162 Grad Celsius ändert sich der Aggregatzustand von Erdgas: Es wird flüssig. Damit verringert sich sein Volumen extrem – aus 600 Kubikmetern Erdgas wird ein Kubikmeter flüssiges Gas. So lassen sich große Energiemengen in speziellen Flüssigerdgas-Tankschiffen transportieren. Am Bestimmungsort angekommen, wird das Liquefied Natural Gas (LNG) in seinen ursprünglichen Aggregatzustand zurückversetzt – man nennt das regasifiziert – und in das Erdgasnetz eingespeist.